Hier finden Sie einige Tipps, die Sie sofort umsetzen können. Die zur Verdeutlichung aufgeführten Zitate stammen von Fachleuten, die aus eigener Erfahrung sprechen.

Tipps für Einzelgespräche

1. Kennen Sie sich selbst! Als in der Gesundheitsfürsorge tätige Person haben Sie eigene Werte und Standards. Ihre Erziehung spielt ebenfalls eine Rolle. Das ist kein Problem. Wenn Sie sich dessen bewusst sind, können Sie vermeiden, dass Ihre persönlichen Überzeugungen die Diskussion beeinflussen. Sie sollten auch darauf achten, wobei Sie sich unwohl fühlen und versuchen, solche Gefühle nicht zu vermeiden. (Averill, S., 2010)

2. Die meisten Patienten sagen, dass sie es vorziehen, dass die in der Gesundheitsfürsorge tätige Person beginnt, über Sexualität zu sprechen als wenn sie das Thema selbst ansprechen müssen. Ärzte denken, dass Gespräche über Sex zu intim sind. Sie sind der Meinung, dass dies ein Thema ist, das zu sehr Teil des Privatlebens der Patienten ist. Patienten sehen das häufig aber nicht so. In einer amerikanischen Studie mit 500 erwachsenen Patienten gaben 2/3 der befragten Personen an, dass sie kein Gespräch über Sex anfangen würden, weil sie denken, dass es dem Arzt peinlich wäre, über Sex zu sprechen. (Marwick, C., 1999)

„Menschen sprechen häufig nicht spontan über sexuelle Gesundheit. Daher ist es wichtig, dass sie einen Anfang finden. Man kann von so vielen Themen das Gespräch auf die sexuelle Gesundheit bringen. Zum Beispiel: Unterbringung, Freundschaft, Freizeit und Lebensplanung.“

„ Wenn Sie beginnen, über sexuelle Gesundheit zu sprechen, bemerken Sie häufig, dass die andere Person Ihnen ohne Aufforderung von ihrer eigenen Situation erzählt.“

3. Über Sex zu sprechen ist nicht das Gleiche, wie eine Behandlung zu bieten, aber es bedeutet vor allem, Informationen zu bieten und das Bewusstsein zu schärfen. Sie müssen also nicht alles über Sexualität wissen und nicht für jedes Problem eine Lösung haben.

h4>"Es ist ein gewisses Klischee, aber Patienten brauchen häufig vor allem jemanden, der ihnen zuhört. Dabei geht es um viel mehr als um etwas, das ihnen hilft, oder guten Rat anzubieten."

4. Urteilen Sie nie. Ein Urteil über Sex kann sehr schnell schmerzlich für den anderen werden oder zu Gegenbeschuldigungen führen. Seien Sie sich dessen also bewusst.

„Akzeptieren Sie die Person, die vor Ihnen sitzt, als sie selbst, auch wenn sie eine Wahl getroffen hat, die Sie niemals treffen würden.“

5. Erstellen Sie ein eigenes Glossar mit Wörtern, die leicht verständlich sind und mit denen Sie sich gut fühlen. Sie können dazu das Wörterbuch auf zanzu.be verwenden.

„Natürlich hilft es, dass ich aus Nordafrika stamme, weil das bedeutet, dass ich mir absolut bewusst bin, welche Wörter von meinen marokkanischen Klienten falsch verstanden oder sogar bedrohlich wirken könnten.“

6. Fordern Sie Ihren Klienten auf, Fragen zu stellen, zu denen vorher keine Gelegenheit war. Machen Sie Ihrem Klienten klar, dass er/sie sich bei Fragen über Sex auf Sie verlassen kann. Sie sollten beachten, was für Ihren Klienten wichtig ist, und Ihre eigenen Interessen zurückstellen. Lassen Sie sich nicht zu schnell auf eine Diskussion ein. Erwähnen Sie, dass für Sie die Schweigepflicht gilt.

7. Übung macht den Meister. Üben Sie das Stellen von Fragen und wie Sie mit dem unbekannten Gefühl umgehen, das Sie möglicherweise haben, wenn Sie Fragen stellen oder sich die Antworten anhören. (Averill, S)

„Es ist einfacher, über sexuelle Gesundheit zu sprechen, als Fachleute denken. Wir sehen häufig Hindernisse, die nicht wirklich da sind.“

Tipps für Gruppendiskussionen

1. Im Grunde gibt es keine großen Unterschiede zwischen einem Gespräch über Sex in einer multikulturellen Gruppe und einer „weißen/flämischen“ Gruppe. Am Anfang ist es für Menschen aus jeder Kultur ein wenig peinlich, über Sex zu sprechen. Wenn es um das Thema Sexualität geht, haben Menschen aus unterschiedlichen Kulturen sehr viel gemeinsam. Es ist immer besser, mit dieser gemeinsamen Basis zu beginnen als mit kulturellen Unterschieden.

„Ich gehe eigentlich bei einer Lektion zu Beziehungen und Sexualkunden für eine multikulturelle Gruppe auf die gleiche Art vor, wie ich es bei einer nicht multikulturellen Gruppe mache. In beiden Gruppen ist es das Wichtigste, dass sich die Teilnehmer sicher fühlen und dass man Methoden einsetzt, die sie zur Teilnahme ermuntern.“

2. Bieten Sie eine sichere Umgebung und treffen Sie Verabredungen. Sie können dazu die PICKASOLL-Methode verwenden.

3. Entwickeln Sie Ihre eigene Sprache für Gespräche über Sexualität und Beziehungen. Sie können das Wörterbuch auf zanzu.be verwenden, um Ihre eigene Liste mit Wörtern zu erstellen.

„Es ist eine Kunst, in einer Gruppe normal und natürlich über Sexualität zu sprechen, so wie Sie vielleicht über gesunde Ernährung sprechen.“

„Es ist wichtig, dass Sie nach einer gemeinsamen Sprache suchen, wenn Sie über dieses Thema sprechen. Vielleicht verstehen die Teilnehmer das Wort „Penis“ nicht, verstehen aber das Wort „Schwanz“. Bringen Sie ihnen die sozial akzeptablen Wörter bei, sodass sie sie in entsprechenden Situationen verwenden können.“

4. Vermeiden Sie allgemeine Diskussionen über kulturelle Unterschiede. Diese Gespräche geben den Teilnehmern häufig das Gefühl, dass sie ihre Kultur verteidigen müssen. Das führt dazu, dass die Teilnehmer von dem abgelenkt werden, was sie selbst fühlen und welche Fragen sie haben. Das bedeutet, dass eine Gruppendiskussion über Sexualität eine entgangene Chance sein kann. Eine offene Diskussion über persönliche Erfahrungen kann gut funktionieren. Wenn Sie so vorgehen, können Sie Fragen stellen wie „Wie ist das für dich? Woher hast du Informationen bekommen, als du klein warst? Wie hast du mit deiner Familie darüber gesprochen?“.

5. Menschen mit einem stark auf die Gemeinschaft ausgerichteten kulturellen Hintergrund werden in einem Gespräch eher das Pronomen „wir“ verwenden. Zum Beispiel „wir glauben, dass Jungfräulichkeit wichtig ist“. Sie können diese Fragen erweitern, indem Sie fragen, wie die Person selbst damit umgeht, statt zu fragen, was sie darüber denkt.

6. Führen Sie eine Diskussion mit der Gruppe, aber lassen Sie wann immer möglich Ihre persönlichen Erfahrungen, Beispiele und Meinungen außen vor.

„Als Fachkraft im Bildungswesen schaffen Sie einen sicheren Rahmen, in dem Menschen zuerst auch von anderen lernen können. Das wird als „Schaffen der Umgebung“ bezeichnet. In meinen Augen riskiert man, diese Rolle zu verlieren, wenn man über sein eigenes Leben spricht. Daher bin ich sehr vorsichtig, was das angeht.“

7. Setzen Sie die Gruppe ein, da Teilnehmer mehr voneinander als von einem Berater lernen. Verwenden Sie interaktive Methoden, wie „In den Federn“, „der Grabbelsack“ (mit Verhütungsmitteln gefüllter Beutel) und Ratespiele.

„Halten Sie eine Bildungslektion oder -diskussion über Sexualität? Beim ersten Mal ist es schwierig, aber dann macht es richtig Spaß.“

8. Geben Sie den Teilnehmern die Chance, einzeln persönliche Fragen zu stellen, zum Beispiel während einer Pause oder zum Schluss.

„Es ist wichtig, nach der Bildungslektion Zeit für individuelle und persönliche Fragen einzuplanen, da eine Lektion zu sexueller Gesundheit viele Fragen aufwerfen kann.“

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